Backup ist gut. Wiederherstellung ist besser.

Kaum ein Einsteiger-Ratgeber für WordPress kommt ohne den dringenden Hinweis einer Datensicherung aus. Ohne Datensicherung könne man die Site nicht wiederherstellen, wenn es zu Problemen käme.
Das stimmt. Aber könntest du sie überhaupt wiederherstellen, wenn du wolltest?

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Person, die einige WordPress-Instanzen betreibt. Sie ließ sich im Gespräch zu folgendem Satz hinreißen: “Ich habe auf allen Seiten ein Backup installiert. Aber ich habe es bisher nicht einmal erfolgreich geschafft, eines wieder lauffähig wiederherzustellen.”
Dieser Satz war dann doch recht erschreckend: Wenn die Wiederherstellung nicht klappt, bringt auch die beste Datensicherung nichts.

Darum dreht sich dieser Artikel um die zentrale Frage: “Könntest du deine Datensicherung wiederherstellen, wenn du wolltest?”

Vorsorgen für den Notfall

Sorge dafür, dass du vor dem Notfall Bescheid weißt, wie du deine Datensicherung wieder zurückspielst. Ist erst ein kleiner oder auch großer Notfall eingetreten, ist es zu spät: Du hast in der Regel ganz andere Sorgen als dir genau in dem Moment bewusst zu machen, wo die Datensicherungen liegen und wie sie wiederherzustellen sind.

Eine kleine Checkliste – wie viel kannst du spontan beantworten?

  • Hast du alle wichtigen Daten zur Hand? Login in WordPress, für die MySQL-Datenbank, für den FTP-Server? Wenn du deine Datensicherungen mit einem Kennwort sicherst, das entsprechende Kennwort?
  • Wie wird deine Site gesichert? Mit welchem Produkt (auswendig – nicht schummeln!)?
  • Wie häufig wird deine Seite gesichert, also wie groß wäre der Datenverlust bei einem Totalausfall der Site?
  • Wo wird eigentlich hin gesichert? Die Suche nach dem Sicherungsziel sollte nicht erst im Notfall eintreten.
  • Weißt du die Methode, wie die Site wiederherzustellen ist?
  • Hast du eine Wiederherstellung mal probiert? Erfolgreich?
  • Wenn die Wiederherstellung geglückt ist: Ist alles wiederhergestellt worden oder fehlt etwas?

Vertraue keinen Plugins, sondern überzeuge dich selbst, dass deine Datensicherung erfolgreich auch zurückgespielt werden kann. Viel zu häufig stellt man erst im Notfall fest, dass das Backup sehr groß ist und bei der Wiederherstellung PHP-Timeouts hervorruft. Ein Klassiker ist auch, dass das Lieblings-Plugin eine Wiederherstellung von Daten nur in einem kostenpflichtigen Paket anbietet – das ansonsten hervorragende BackWPup ist hier ein prominentes Beispiel.

Die Wiederherstellungs-Challenge

Folgende Wiederherstellungs-Szenarien treten immer wieder ein. Mit steigendem Level wird die Komplexität immer höher – wobei die Schwierigkeitsgrade auch ineinandergreifen. Bis zu welchem Level kannst du ohne Probleme deine Site wiederherstellen?

Level 1: Plugin-Update fehlgeschlagen

Du aktualisierst deine Plugins sowie Themes und nach dem Update scheint irgendetwas kaputt gegangen zu sein: Das Design ist komplett verrutscht und die Seite nicht nutzbar. Die WordPress-Site an sich läuft aber noch, das Dashboard generiert keine Fehler, alles ist wie gewohnt.
Du stellst fest, dass du die Datensicherung der letzten Nacht wieder einspielen musst.

Wie machst du es?

Die Auflösung gibt es in dem eigenen Artikel “Datensicherung zurückspielen mit den Assistenten von BackWPup Und UpdraftPlus“.

Level 2: WordPress-Update ruft Fehler hervor

Du klickst fröhlich auf den Button “Aktualisieren” und auf einmal läuft nichts mehr. Die Qualitätssicherung von WordPress sorgt schon dafür, dass durch ein Update nicht der WordPress Core selbst defekt geht, aber Wechselspiele mit Plugins und Themes haben manchmal komische Auswirkungen.
Da auch das WordPress Dashboard nicht korrekt funktioniert, musst du die Datensicherung manuell wieder zurückspielen.

Wie spielst du deine Datensicherung manuell wieder zurück?

Die Auflösung gibt es in dem eigenen Artikel “Manuelle Wiederherstellung von Dateien mit BackWPup und UpdraftPlus“.

Level 3: Ausfall beim Hoster

Mitten am Tag fällt deine Site aus. Eine Stunde später bekommst du eine E-Mail von deinem Hoster, in der er dir mitteilt, dass es leider zu einem nicht reparablen Schaden im Rechenzentrum kam und die Daten auf den Servern nicht wiederhergestellt werden können.
Du musst also die Datensicherung mindestens in einem komplett neuen Account in einem funktionierenden Rechenzentrum oder gar bei einem anderen Anbieter in Betrieb nehmen. Die Webadresse bleibt aber gleich: Der Anbieter schafft es, deine Domain schnell umzuleiten.

Wie kommt die Datensicherung auf den neuen Account? Und wie stellst du die Datensicherung auf dem “nackten” System wieder her?

Level 4: Aufsetzen der Site unter neuem Namen

Sei es aus Gründen einer Spiegelung der Umgebung für Testzwecke oder wegen eines Totalausfalls wie in Level 3: Dir steht nur die Datensicherungs-Datei zur Verfügung und du möchtest sie auf einer neuen Adresse bereitstellen. Neben dem reinen Zurückspielen der Daten musst du also auch noch darauf achten, dass die neue Webadresse an allen Stellen genutzt wird: Bilder in Artikeln sind mit einer eigenen Adresse versehen, auch Links auf eigene Beiträge enthalten die komplette Webadresse.

Wie sorgst du dafür, dass die gesamte Website auch unter dem neuen Namen läuft?

Sei vorbereitet…

Mit jedem Level ist die Wahrscheinlichkeit, dass man darauf zurückgreifen möchte, auch absteigend. Zwar gibt bei Dienstleistern häufiger das Level 4-Szenario, dass die Produktivseite gespiegelt wird, um hier Neuerungen einzuspielen und zu testen (das sogenannte “Staging”), aber gewöhnlich hat man als Website-Betreiber selten damit Kontakt.

Doch du musst das Wiederherstellungs-Game gar nicht durchspielen. Wenn du die Fragen in der Checkliste spontan beantworten kannst und das erste Level schaffst, hast du schon viel erreicht.
Sich jedoch gar nicht mit der Wiederherstellung zu beschäftigen wird jedoch früher oder später einen einholen.

In den kommenden Artikeln gehen wir ein bisschen auf die einzelnen Level ein – aber nun erst einmal zu dir: Wie sicher fühlst du dich mit deiner Datensicherung und der Wiederherstellung?

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